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Diese Web-Site beschäftigt sich mit einem kleinen Teil des Gehirns, der medulla oblongata ("verlängertes Rückenmark"). Die medulla oblongata befindet sich kurz oberhalb der Halswirbelsäule und ist durch diese Lage bei Unfällen sehr gefährdet. Ihre Funktion und ihre Bestandteile sind für die meisten Ärzte terra incognita, sogar für Neurologen und Orthopäden.

Ein Unfall, nicht einmal ein besonders auffälliger, und schon ist man für den Rest seines Lebens gezeichnet. Hunderttausende Opfer gibt es jedes Jahr alleine durch Autounfälle: "Schleudertrauma".

Außer dem in der Öffentlichkeit schon bekannteren Schleudertrauma gibt es noch viele andere Verletzungen - und nur ein Bruchteil davon wird erkannt. Die Opfer bleiben oft auf der Strecke, weil mangelnde Forschung und mangelnde Fortbildung der Ärzte die praktizierte Medizin zum einem oft lebensgefährlichen Risiko für die Kranken machen.

Als Nichtmediziner eine Web-Site wie diese zu betreiben, ist ein großes Wagnis. Ich gebe zu, daß angesichts der wahrhaft gigantischen Aufgabe ich mir klein, hilflos und unwissend vorkomme. Wenn ich aber sehe, wie wenig Ärzte wirklich über den Körper, über Anatomie und Funktion wissen, wie erschreckend wenig sie logisch denken und handeln, wenn ich sehe, wie selbst einfachste logische Grundlagen ihnen völlig fremd sind, denke ich, daß ingenieurmäßiges analytisches Denken in der Medizin DRINGEND notwendig ist.

Schon vor mehr als 15 Jahren, 1999, habe ich die HWS-Web-Site (http://www.ariplex.com/hws/hws_top.htm) begonnen. Die Aufbereitung der Texte als HTML-Seite ist so furchtbar arbeitsintensiv, daß ich sie in der bisherigen Form nicht weiterführen werde.



Die folgenden Zitate stammen aus dem Buch "Weichteildistorsionen der oberen Halswirbelsäule - Anatomie, Neurophysiologie, Diagnostik, Therapie und Begutachtung", Herausgegeben von Prof. Dr. med. Toni Graf-Baumann und Dr. med. Henning Lohse-Busch, erschienen im Springer-Verlag, 1997, ISBN 3-540-61409-5

Diese Zitate werden Anker für einige der Fachgebiete werden.

Seite 89


Neuropsychologische Defizite nach HWS-Schleudertrauma im prospektiven Verlauf*

M. Keidel, L. Yagüez, H. Wilhelm, H. C. Diener

Patienten mit einer Beschleunigungsverletzung der HWS klagen neben den nahe-
zu obligaten Nacken- und Kopfschmerzen häufig über vegetative und "neu-
rasthenische" Beschwerden (Keidel u. Diener 1993; Keidel und Pearce 1996). Unter
den neurasthenischen Auffälligkeiten werden insbesondere vermehrte Reizbarkeit,
Schlafstörungen, eine meist gedrückte Stimmungslage und vegetative Beschwer-
den wie Neigung zu Tachykardie, Hyperhydrose, Thermodysregulation und insbe-
sondere orthostatische Dysregulation angegeben (Wiesner u. Mumenthaler 1975).

Im Vordergrund stehen Störungen im Leistungsbereich mit vermindertem
Antrieb, rascher Erschöpfbarkeit sowie neuropsychologischen Auffälligkeiten wie
Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen, Einbußen im
Arbeitstempo und kognitiven Bereich
(Krämer 1980; Keidel et al. 1991; Keidel 1995).
Während sich die meisten Beschwerden meist innerhalb weniger Wochen oder
Monate vollständig zurückbilden, gibt es eine Minderheit von Patienten, bei denen
protrahierte Verläufe mit nur schleppender Beschwerderückbildung, die über 1/2
Jahr hinausgeht, beobachtet werden können (Balla 1980; Pearce 1989). In sehr sel-
tenen Fällen können Restbeschwerden im Sinne eines "late whiplash syndrome"
bis zu 6 Jahre anhalten
(Hohl 1974; Wiesner u. Mumenthaler 1975; Maimaris et al.
1988; Keidel u. Diener 1993).




Seite 110

Reaktive primäre und sekundäre Gelenkblockierungen

Ich bin der Auffassung, daß die Mehrzahl der segmentalen und peripher arti-
kularen Bewegungsstörungen (Blockierungen) als Folge der muskulären
Dysbalance entstehen und deshalb auch ständig rezidivieren, solange die muskulä-
re Dysbalance nicht behoben ist.
Eine direkte, durch den Unfallmechanismus
unmittelbar herbeigeführte Blockierung der Kopfgelenke ist möglich und wohl
auch nicht selten. Sie sollte nach Ausschluß struktureller Schädigung möglichst
frühzeitig gelöst werden, damit die Regenerationsfähigkeit der gestörten
Weichteilstrukturen nicht unnötig behindert wird.




Seite 124

Röntgenfunktionsanalyse vor und nach Unfall

Es ist uns nun heute möglich, das biomechanische Verhalten der HWS von 30
Patienten zu analysieren, von denen Röntgenfunktionsanalysen der nicht trauma-

Seite 125

tisch geschädigten HWS präexistent waren, die aber später ein indirektes Trauma
der HWS erlitten haben und katamnestisch auch noch 4 Monate nach dem
Unfallereignis über typische Symptome klagten (Abb. 24).

Das Durchschnittsalter der Patienten zum Zeitpunkt der 1. Funktionsanalyse
betrug 38,5 Jahre und während der 2. Untersuchung 41,5 Jahre. Im Durchschnitt
wurde die 2. Röntgenfunktionsanalyse 4 Monate nach dem Unfall angefertigt.

Die Meßergebnisse wurden einer 2-Faktoren-Varianzanalyse mit den Faktoren
Zeit und intervertebrale Beweglichkeit unterzogen.

Die McGregor-Linie zeigt eine signifikant verringerte Amplitude in Flexion (p =
0,015) und Extension (p = 0,001). Das Ergebnis bekräftigt die Ergebnisse unserer
Vorstudien, bei denen allerdings die Verringerung der Flexionsfähigkeit der
McGregor-Linie nicht signifikant war.

In der Flexion zeigen die einzelnen Intervertebralgelenke unserer posttrauma-
tischen Patienten ebenfalls keine signifikanten Veränderungen.

In der Extension findet sich aber eine statistisch signifikante Verminderung der
Bewegungsamplituden bei C0/1 (p = 0,001), C3/4 (p = 0,034), C4/5 (p = 0,001),
C5/6 (p = 0,012) und bei C6// (p = 0,011).

Vergleicht man die Veränderungen benachbarter Wirbelgelenke ergibt sich ein
Unterschied von C3/4 im Vergleich mit C5/6, C4/5 mit C5/6 und C5/6 mit C6/7.

Die deutlichsten Unterschiede finden sich bei der globalen Bewegungsein-
schränkung der HWS und bei der Extensionseinschränkung zwischen C3-C6, also
der mittleren HWS. Die Mobilitätsverminderungen finden sich oft in benachbar-
ten Segmenten.

Die Lordose in Neutralhaltung der HWS veränderte sich nicht. Alleinige seitli-
che Röntgenaufnahmen der HWS in der üblichen, spontan eingenommenen
Neutralhaltung sind damit für die Begutachtung von Unfallfolgen untauglich.

Es ist für uns nicht überraschend, daß nicht nur die Kopfgelenke, sondern eben-
so auch die mittlere und untere HWS vom Unfallereignis betroffen ist. Unsere
Ergebnisse decken sich mit denen von Saternus (s. Beitrag Saternus).


Seite 126

Röntgenfunktionsanalyse bei Simulanten

Ein häufig vorgebrachter Einwand gegen die Röntgenfunktionsanalyse der HWS
besteht in der Mutmaßung, daß Patienten bei der Untersuchung ihre Befunde
aggravieren oder gänzlich simulieren könnten.

Arlen selbst wollte funktionsgestörte Spontanbewegungen messen. Wir haben
das Verfahren für forensische Zwecke erweitert und fertigen zuerst 3 Funktionsauf-
nahmen in Neutralposition, Extension und Flexion mit spontaner Maximal-
beweglichkeit an. Danach erzwangen wir die Maximalbewegung in Flexion und
Extension in vom Gutachter selbst gehaltenen Positionen. Man sieht in Abbildung
25 den Unterschied bei einer Patientin mit struktureller Bandläsion. Die Spontan-
aufnahmen zeigen auf der Ebene von C i in Extension eine deutliche Bewegungs-
einschränkung.

Die gehaltenen Aufnahmen aber erzwingen gegen den Widerstand des
Untersuchers eine systemgesteuerte inverse Bewegung der Wirbel bei C1 und C2 in
Extension und C i in Flexion im Sinne einer Vermeidungshaltung. Diese Bewegung
kann vom Patienten, wie wir aus einer weiteren Untersuchung wissen, nicht simu-
liert werden:

Anläßlich eines Symposiums zum Thema der Weichteildistorsion der HWS im
Jahre 1992 im Centre de Cure in Munster stellten sich 10 Kollegen, die wir als
langjährige Spezialisten auf diesem Gebiet betrachten dürfen, zu Röntgen-
funktionsanalysen zur Verfügung. Jeder Kollege ließ Röntgenfunktionsaufnahmen

p127

in seinem individuellen, spontanen Bewegungsmuster machen und hatte danach
die Aufgabe, eine bestimmte Funktionsstörung zu simulieren. Zwei Beispiele:
Der Proband (Abb. 26) kann sein Bewegungsmuster nicht ändern.

Das Bewegungsmuster (Abb. 27) zeigt eine gleichförmige Inversbewegung der
Extension in die Flexion im oberen Bereich der HWS. Dieses Bild ist uns ein schla-
gendes Indiz für einen Simulanten, der den Untersucher täuschen will.

Es ergibt sich daraus folgende Beurteilung: Selbst Spezialisten für die
Biomechanik der HWS können vorgegebene Situationen nicht simulieren.



Seite 169

Neurootologische Diagnostik

M. Hülse

Das subjektive Beschwerdebild, das ein Verletzter mit einer HWS-Distorsion klagt,
wird neben einer Nackensteifigkeit und vom Nacken bis zum Gesicht ausstrahlen-
den Schmerzen von der Symptomatik im HNO-Bereich geprägt. Dies bedeutet, daß
jeder Arzt, der sich diagnostisch, therapeutisch oder gutachterlich mit den
Traumafolgen der HWS-Distorsion befaßt, diese HNO-Symptomatik kennen muß.
In weit über 90% der Fälle liegt als Ursache der häufig länger anhaltenden
Beschwerden ein funktionelles Defizit im Kopfgelenksbereich vor. Bisher nicht
geklärt ist das fast regelmäßig zu beobachtende Phänomen, daß bei Frakturen im
Bereich des Atlas, des Dens oder der okzipitalen Kondylen eine zervikoenzephale
Symptomatik kaum auftritt. Selbst die in neuerer Zeit mögliche Darstellung einer
Verletzung der Ligg. alaria (Voller et al. 1996) läßt noch kein umschriebenes Krank-
heitsbild abgrenzen. Im Vordergrund der Beschwerden scheint hier nach den ein-
zelnen Beobachtungen eher eine deutliche Bewegungseinschränkung und eine
Haltungsinsuffizienz der HWS zu stehen. Ein umschriebenes neurootologisches
Krankheitsbild bei dieser Verletzung ist noch nicht erkennbar. Diese Verletzungs-
folgen sollen hier daher ebensowenig besprochen werden wie die seltenen Ver-
letzungen der Aa. vertebrales bei der HWS-Distorsion. Verletzungen der
Vertebralarterien führen zu ausgeprägten Störungen im kochleovestibulären
System, die weit über die funktionellen Störungen hinausgehen und regelmäßig
von einer weiteren, zentralen, objektivierbaren Symptomatik begleitet sind. Neben
synkopalen Anfällen finden sich in diesen Fällen massive Störungen in der
Hirnstammaudiometrie, Sehstörungen mit Doppelbildern, Amaurosis und
Veränderungen der visuell evozierten Potentiale, Sprachstörungen bis hin zur
Dysarthrie, Schluckstörungen
und Symptome der langen Bahnen (Neundörfer
1988). Diese A.-vertebralis-Symptomatik ist in aller Regel von einer postkommo-
tionellen und postkontusionellen Symptomatik mit ihrer initialen Bewußtlosigkeit
abzugrenzen. Diese eindeutig zentrale Symptomatik kann nicht als Folge einer
funktionellen Kopfgelenksstörung gewertet werden, sondern findet sich nur nach
einer Traumatisierung des Zerebrums bei dem Unfall. In diesen Fällen steht die
Hirnverletzung im Vordergrund, und die HWS-Distorsion ist als Begleitverletzung
aufzufassen. Besonders in der neueren Gutachterpraxis bei HWS-Verletzungen
wird häufiger auf eine zerebrale Beteiligung auch bei Non-contact-Verletzungen
hingewiesen. Solche Verletzungen sind sicher möglich. Es darf nicht vernachlässigt
werden, daß es bei einer Retroflexion des Kopfes bei einem Auffahrunfall zu einer
Elongation der Medulla oblongata um mehrere Zentimeter kommen kann.
Fischer

Seite 170

u. Palleske (1976) sahen in EEG-Veränderungen eine Hirnbeteiligung, weshalb sie
statt des Begriffes des "Schleudertraumas" die Bezeichnung zervikozephales
Beschleunigungstrauma vorschlugen.

Besonders in der Gutachtenpraxis wird in jüngster Zeit der sehr umstrittene
Ausdruck des "late whiplash syndrome" (Balla 1980,1988) gebraucht, um eine pro-
grediente, zerebrale Störung als Folge einer HWS-Distorsion und damit als Unfall-
folge erklären zu können. Eine solche Interpretation widerspricht allen bekannten
unfallchirurgischen Gesetzen, da sie die Entwicklung einer progredienten zerebra-
len Störung mit einer Latenz von Monaten oder gar Jahren ohne eine primäre,
initiale, zerebrale Schädigung postuliert. Hierzu muß Kügelgen (1989) zitiert wer-
den:

Ob es ein zervikoenzephales Syndrom gibt oder nicht, kann nach dem jetzigen Wissensstand
nicht entschieden werden. Die Diagnose einer zusätzlichen Hirnbeteiligung ist schwerwiegend
und sollte wirklich nur dann erfolgen, wenn sie sich mit hinreichender Wahrscheinlichkeit belegen
läßt. Die leichtfertige Attestierung einer solchen Komplikation im Gutachtenverfahren hat
verheerende Folgen. Erkrankungen des Hirnstammes sind dem Nervenarzt bestens bekannt.
Die beim zervikoenzephalen Syndrom beschriebene Symptomenkombination paßt zu keinem
anderen, dem Nervenarzt vertrauten Krankheitsbild mit Beeinträchtigung des Hirnstammes.
Daß der Begriff bis heute nicht von den zuständigen Vertretern des entsprechenden Fach-
gebietes (Neurologen, Psychiater) übernommen worden ist, muß Nachdenklichkeit erzeugen.
Wenn von manualtherapeutischer Seite (Wolff 1983) behauptet wird, daß ein zervikoenzephales
Syndrom infolge Kopfgelenksstörungen durch eine Manualtherapie schlagartig behoben wer-
den kann, so ist dies der Beleg dafür, daß es sich eben nicht um eine Gehirnerkrankung handelt.
Diese pflegt nämlich eine eigene Dynamik zu entwickeln und nach Beseitigung der Läsion nie-
mals sofort abzuklingen.

Entscheidend für die Diagnostik und für die Zusammenhangsfrage sind die ersten
anamnestischen Angaben und die medizinischen Befunde, die uns Hinweise auf
eine zerebrale Beteiligung liefern. Hier muß auf die Angabe einer Bewußtlosigkeit,
Benommenheit oder Verwirrtheit geachtet werden, die in den ersten Tagen notiert
wurde und sich nicht erst in den Angaben Monate später retrospektiv finden. Eine
frühzeitige neurootologische Diagnostik mit Ableitung der akustisch und visuell
evozierten Potentiale und eine ausführliche elektronystagmographische Unter-
suchung können hierbei wichtige Parameter aufzeigen. Dieser Aufwand ist sicher
zu rechtfertigen, wenn bedacht wird, daß eine neurologische Untersuchung nach
nahezu jedem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) routinemäßig durchgeführt wird.

Andererseits muß bei einem SHT auch eine HWS-Distorsion angenommen werden
(Penning 1970), so daß nach einem SHT die Untersuchung der HWS nicht fehlen
darf. Nicht selten wird auch eine postkommotionelle Symptomatik nur durch eine
fKGS unterhalten.

Während die SHT und die HWS-Traumen mit röntgenologisch erkennbaren
Frakturen oder Luxationen oder mit Verletzungen der A. vertebralis (Erdmann
1985; Saternus u. Burtscheidt 1985; Stevens 1985) diagnostisch und gutachterlich
eher abgrenzbar sind, stellen die reinen HWS-Distorsionen ohne zerebrale und
ohne knöcherne oder arterielle Beteiligung ein diagnostisch wesentlich schwieri-
geres Problem dar. Die Häufigkeit einer solchen "reinen HWS-Distorsion" unter-
streicht aber die klinische Bedeutung.

Otoneurologisch können nach der HWS-Distorsion 3 verschiedene Beschwerde-
bilder als gesichert gelten:

Seite 171

1. vertebragene Schwindelbeschwerden,
2. vertebragene Hörstörungen,
3. vertebragene Stimmstörungen.

Noch nicht gesichert ist der kausale Zusammenhang zur nicht selten geklagten
vasomotorischen Rhinitis. Jansen et al. (1989) konnten in einigen Fällen einer
Irritation der Wurzeln von C2 eine "laufende Nase" beobachten.
Ein solcher
Nachweis ist wegen des häufigen unfallunabhängigen Auftretens sehr schwierig.
Hypothetisch ist eine solche vegetative Dysregulation der Nase durchaus im
Rahmen der vegetativen Dysregulationen und neurasthenischen Symptome, wie
sie auch von Keidel 1996 berichtet wurden, zu diskutieren.

Häufig findet sich nach HWS-Distorsion die Angabe von funktioneilen
Sehstörungen. Patienten mit einer vertebragenen Augenstörung klagen meist über
"diffuse" Sehstörungen. Die Brille würde nicht mehr stimmen; Alterssichtige fin-
den ihre stärkste Lesebrille zu schwach. Beim ausdrücklichen Befragen finden sich
folgende Angaben: Beim Fixieren schwindet das Bild, das Bild verändert seine
Tiefenschärfe. Graue Flecken erscheinen im Bild, die Farbintensität eines Bildes
schwindet. Seltener werden Doppelbilder geklagt. Schimek (1988) berichtet, daß
bei 183 Patienten mit chronischen Kopfschmerzen extrakranieller Art, d.h. ohne
Gehirnpathologie (Spannungskopfschmerz, Kopfschmerz bei Dysfunktion des
Kauapparates), umal über ein Verschwommensehen, l06 mal über ein Gefühl des
"kleineren Auges" geklagt wurde. Schimek berichtet, daß diese Augenbeschwerden
nach Manipulation der Kopfgelenke zurückgegangen seien, wobei sich insbeson-
dere die Sehschärfe verbessert habe. In 18 Fällen wurde von Schimek eine schwa-
che, träge oder eingeschränkte Fusionsfähigkeit festgestellt, die er durch Chiro-
therapie der Kopfgelenke erfolgreich behandelt hat. Die Funktionsstörungen lagen
bei allen Patienten zwischen o/C1 und C 2/3.

Im eigenen Patientengut wird bei ca. 14% über eine solche "Sehstörung" berich-
tet, ähnliche Zahlen berichten auch Keidel (1996) von neurologischer Seite und
Lewit (1992) von manualtherapeutischer Seite. Diese Angaben unterstreichen die
Häufigkeit der geklagten Augenbeschwerden, da die Angaben als Nebenbefund von
einem HNO-Arzt, von einem Neurologen und von einem Manualtherapeuten erho-ben wurden.

Der Pathomechanismus der vertebragenen Augenstörungen ist noch vollkom-
men unklar. Eine Krankheitsentität kann aber hergestellt werden aufgrund des
häufigen Zusammentreffens einer Kopfgelenksblockierung und einer funktionel-
len Augenstörung einerseits und aufgrund der guten Beeinflußbarkeit der Seh-
störung durch Behandlung der funktioneilen Defizite im Kopfgelenksbereich
andererseits.




Seite 176

Die vertebragene Hörstörung

Die Häufigkeitsangaben über Hörstörungen nach HWS-Traumen schwanken von
10-15% bei Rubin (1973) bis 80% bei Fang (1971). Der subjektive Schwindel nach
einem HWS-Trauma wird von dem Betroffenen meist als stärkste Behinderung
empfunden, er ist auch das zahlenmäßig häufigste Symptom, so daß die Angabe
über eine Hörstörung oft erst beim Nachfragen erfolgt. Im eigenen Patientengut



Seite 180

(n = 259) mit einer funktionellen Kopfgelenksstörung klagten 25% über ein Ohr-
geräusch, 15 % über Ohrdruck, 6 % über eine Otalgie und annähernd 15 % über eine
subjektive Hörminderung. Nicht selten wird eine "Überempfindlichkeit" geklagt.


Eine solche Überempfindlichkeit ist früher häufig im Rahmen einer depressiven
Verstimmung oder als Ausdruck einer "übermäßigen Klagsamkeit" gewertet wor-
den. Ein nachvollziehbares Testverfahren, um eine solche Überempfindlichkeit
erfassen zu können, gibt es nicht, da die Bestimmung der Unbehaglichkeits-
schwelle nur von den individuellen subjektiven Angaben abhängt. Das Symptom
des "überempfindlichen Ohres" wurde hier dennoch aufgeführt, nachdem in jüng-
ster Zeit von einigen Patienten spontan nach der Manualtherapie berichtet wurde,
daß ihre Überempfindlichkeit verschwunden sei.

Bei fast jedem 4. Patienten mit einer fKGS findet sich in der Anamnese die
Angabe eines subjektiven Ohrgeräusches. Trotz des häufigen Auftretens eines
Tinnitus bei der fKGS darf dieses Symptom nicht als typisch für die HWS bezeich-
net werden. Es muß berücksichtigt werden, daß ein länger anhaltendes funktio-
nelles Ohrgeräusch in unserer Industriegesellschaft bei 16% der Erwachsenen
(über 17 Jahre) auftritt (Lenarz 1992).

Das zweithäufigste subjektive Symptom (14,7%) ist die Angabe über ein
Ohrdruckgefühl oder die Empfindung des "zugefallenen Ohres" bei regelrechtem
Mittelohrdruck. Eine Otalgie wurde in 5,8 % der Fälle geklagt. Bei einer vertebra-
genen Otalgie findet sich das funktionelle Defizit immer ipsilateral zur fKGS. Von
259 Patienten mit einer fKGS wurden 39mal (15%) meist einseitige Hör-
minderungen geklagt. Werden die Audiogramme der 259 Patienten mit einer funk-
tionellen Kopfgelenksstörung ausgewertet, so fallen 105 Patienten mit einer audio-
metrisch erkennbaren Hörschwellenabwanderung auf. Bei 67,6% (n = 71) ist diese
Hörstörung einseitig (Abb. 4).

Vergleicht man die Audiogrammbefunde untereinander, so fällt besonders die
Tieftonschwerhörigkeit auf, die mit 79% fast das Bild der "zervikogenen
Hörstörung" prägt. Eine pankochleäre Schwerhörigkeit fand sich bei 14,3 % und ist
deutlich seltener anzutreffen. Eine Hochtonschwerhörigkeit ab 2000 Hz ist
mit 6,4% so selten, daß sie nicht zur fKGS zu gehören scheint.

Die Schwerhörigkeit beträgt nur ca. 10-30 dB. Derartige Hörschwellen-
abwanderungen können auch mit "unkonzentrierter Mitarbeit" oder bei reiner
Tieftonschwerhörigkeit mit Umgebungsgeräuschen, z.B. Klimaanlage im Unter-
suchungsraum, erklärt werden.

Eine Objektivierung derartiger "vertebragener Hörstörungen" ist in jüngster
Zeit mit den otoakustischen Emissionen (OAE) möglich (Abb. 5).

Als Beispiel soll eine 36jährige Patientin vorgestellt werden, die unter dem
Verdacht eines Hörsturzes bei vertebrobasilärer Insuffizienz eingewiesen wurde.
Hörschwellenaudiometrisch zeigte sich rechts eine Tieftonschwerhörigkeit um 30
dB und links um 20 dB. Nachdem dopplersonographisch und neurologisch eine
vertebrobasiläre Insuffizienz nicht verifiziert werden konnte, wurde ein funktio-
nelles Defizit bei Okziput/Ci und C2/3 rechts > links manualtherapeutisch gelöst.
Die Kontrolluntersuchung ergab eine Normalisierung der Befunde, vor allem auch
der OAE.

Bei einer prospektiven Untersuchung von 62 Patienten mit einer vertebragenen
Hörstörung fielen bei 72% die OAE negativ aus. Nach erfolgreicher Manualthera-

Seite 179

pie fielen die OAE positiv aus. Bei weiteren 11 Patienten fielen die OAE schwach
positiv aus (50-60 %) und konnten durch die Manualtherapie um mindestens 20 %
verbessert werden.

Dies bedeutet, daß in ca. 72% der Fälle die negativ ausfallenden OAE bei
"annähernder" Normalhörigkeit einen deutlichen Hinweis auf eine vertebragene
Hörstörung darstellen, aber auch die "schwach positiv" ausfallenden OAE an eine
vertebragene Schwerhörigkeitskomponente denken lassen. Insgesamt konnten
Hörstörungen bei einer funktioneilen Kopfgelenksstörung durch die OAE in 90 %
der Fälle objektiviert und der manualtherapeutische Erfolg dokumentiert werden.

Anhand der prospektiven Studie über 62 Patienten mit einer vertebragenen
Hörstörung, die vor und nach Manualtherapie untersucht wurden, konnten
wesentliche Charakteristika der vertebragenen Hörstörung herausgearbeitet wer-
den:

1.
Im Audiogramm zeigt sich die Hörschwelle vor allem im Tieftonbereich um bis
zu 25-30 dB abgesunken.

2.
In 2 von 3 Fällen findet sich die kochleäre Symptomatik einseitig, öfters rezidi-
vierend.

p181

3.
Die Hörminderung ist häufig mit einem Ohrdruckgefühl verbunden.

4.
In 90 % der Fälle sind die OAE deutlich vermindert, meist negativ.

5.
Der Manualbefund läßt ein funktionelles Defizit bei o/Ci und/oder C2/3 auf der
gleichen Seite erkennen.

6.
Eine solche zervikogene Hörstörung ist reversibel. Die Manualtherapie der Kopf
gelenke stellt die Therapie der Wahl dar.

Es ist davon auszugehen, daß die vertebragene Hörstörung auf eine fKGS zurück-
geführt werden muß. Vor allem aufgrund der OAE und der positiven Beeinflussung
der vertebragenen Hörstörung durch die Manualtherapie der Kopfgelenke wird
folgender Pathomechanismus angenommen: Das funktioneile Defizit im Bereich
der Kopfgelenke führt zu einer "Afferentationsstörung", die über direkte und indi-
rekte neurale Verbindungen zu den Hirnnervenkerngebieten gelangt. Eine direkte
Verbindung zwischen der dorsalen Wurzel des 2. Zervikalnervs und dem ventralen
Nucleus cochlearis konnte neuroanatomisch von Pfaller u. Arvidsson (1988) mit
Meerrettichperoxydase bei der Ratte nachgewiesen werden. Bei der Katze wurden
von Itoh et al. (1987) Projektionen der dorsalen Nuclei im Spinalmark zu den
Cochleariskernen beobachtet. Bei der zervikogenen Hörstörung ist aber auch an
die Bedeutung der wechselseitigen cuneokochlearen Verbindung zu denken, nach-
dem Arvidsson u. Pfaller (1990) eine deutliche Projektion der dorsalen Wurzeln
des Zervikalmarks zum Nucleus cuneatus neuroanatomisch beschrieben haben.
Spoendlin (1979) zeigte auf, daß bei der Katze die efferenten Fasern im Nucleus
cochlearis lateralis der kontralateralen Seite entspringen. Durch Reizung des effe-
renten Systems kann eine Hörverschlechterung bis zu 25 dB (Bonfils et al. 1986)
bewirkt werden. Dies würde auch erklären, warum eine vertebragene Hörstörung

Seite 182

nur eine "Geringgradigkeit" bis zu 30 dB erreichen kann und nach bisherigen
Kenntnissen nicht ausgeprägter ist (Hülse 1994).

Die vertebragene Dysphonie

Begleitverletzungen können sich beim HWS-Trauma aufgrund der engen ana-
tomischen Beziehung zwischen Kehlkopf und ventralen Wirbelkörpern entwickeln.
Eindrucksvolle Bilder demonstrierte Saternus (1995). Er zeigte Hämatome an der
posterioren Seite des Kehlkopfes im Bereich der zum Aryknorpel ziehenden
Muskulatur sowie an der Basis des Cornu superior des Schildknorpels. Hinz u.
Flaue (1972) haben auf die Verletzlichkeit der Venengeflechte im lockeren
Bindegewebe des Retropharyngealraumes hingewiesen. Dies würde auch die
Schluckbeschwerden nach derartigen Unfällen erklären. Viel häufiger als derartige
morphologische Kehlkopfstörungen sind jedoch die funktioneilen Störungen ohne
morphologisches Substrat. Exakte Zahlen über die Häufigkeit der vertebragenen
Dysphonie nach einem HWS-Trauma sind jedoch kaum zu erhalten. Dies erklärt
sich daraus, daß nicht nur der behandelnde Arzt sondern auch häufig der Patient
selbst eine solche funktionelle Stimmstörung nicht beachtet.

Was den Patienten zum Arzt führt, ist eine laryngeale Mißempfindung, ein
Globusgefühl. Der Patient klagt über ein Kloßgefühl im Kehlkopfbereich, einen
Räusperzwang, Fremdkörpergefühl und eine Schluckstörung. Diese Schluck-
störung wird charakteristischerweise beim Leerschlucken und nicht beim
Schlucken fester Speisen empfunden, weshalb lange Zeit diese funktionelle
Dysphagie als rein hysterisches Symptom eingeschätzt wurde.

Die eigentliche vertebragene Dysphonie ist eine funktioneile Dysphonie, die von
einem Sänger sehr schnell in einer Veränderung des Stimmklanges und Redu-
zierung der Stimmdynamik bemerkt wird. Aber auch dem nicht geschulten
Sprecher wird auffallen, daß die Stimme nach längerem Sprechen zunehmend ver-
sagt.

Während der Hör- und Gleichgewichtsinn recht scharf umschriebene Organe
darstellen, gibt es das Stimmorgan im eigentlichen Sinne nicht. Vergleicht man das
Stimmorgan mit einer Zungenpfeife, setzt sich der Phonationsapparat, abgesehen
von der zentralen Steuerung, aus 3 wesentlichen Bausteinen zusammen: dem
Windraum, bestehend aus Lunge, Bronchien und Trachea, dem Schwingungs-
generator, der Rima glottis und dem Resonanzraum, dem gesamten supraglotti-
schen Bereich. Die funktioneile Wirbelsäulenstörung beeinflußt nicht nur die zen-
trale Steuerung der Phonation, sondern hat Auswirkungen auf alle 3 Ebenen des
Phonationsapparates.



Seite 190

Die diesbezüglichen metrischen Untersuchungsverfahren faßt man auch unter
dem Begriff "Neurootometrie" zusammen . Sie ist die Basis der Äquilibriometrie,
d.h. der messenden Erfassung der Gleichgewichtsfunktion, der Audiometrie, d.h.
der messenden Erfassung der Hörfunktion, der Gustometrie, d.h. der messenden
Erfassung der Geschmacksfunktion, der Olfaktometrie, d.h. der messenden
Erfassung der Geruchsfunktion, und ihrer krankhaften Veränderungen. Im vorlie-
genden Patientengut verwendeten wir zunächst nur die Äquilibriometrie mit aus-
gewählten Tests.



Seite 195

Mit der Atlastherapie erreicht man eine tastbare und sofortige Muskel-
relaxation. Die therapeutischen Auswirkungen beschreibt ein 66jähriger Patient
nach schwerem Schleudertrauma vor 4 Jahren dem befragenden Neurootologen
folgendermaßen:

Seit dem Unfall werden Wärmebehandlungen mit Fango und Atlastherapie durch Dr. Kaute
durchgeführt. Die Atlastherapie ist in der Lage, selbst schwere Kopf-, Schulter- und Nacken-
schmerzzustände zu unterbrechen, so daß er für wenige bis viele Stunden (2 Stunden bis 2 Tage)
beschwerdefrei ist. Danach kommen die alten Beschwerden aber in der oben beschriebenen
Form wieder. Die Kopfschmerzen bessern sich bis zum völligen Verschwinden. Die Ohr-
geräusche bleiben. Der Schwindel wird vorübergehend auch besser.

Die Merkfähigkeit, die Konzentrationsstörungen und die Antriebslosigkeit bessern sich nicht.
Die Atlastherapie braucht er regelmäßig, d. h. 2mal pro Woche. Wenn sie mal ausfällt, muß er vor
Schmerzen Tabletten nehmen, was er vermeiden möchte.




Seite 204

Das elektromyographische Interferenzmuster der kurzen, tiefen Nacken-
muskeln soll durch uniforme Aktivitätsspitzen von 30 Hz überlagert sein. Dieser
Rhythmus teilt sich den Muskeln mit, denen der Kopf zugewandt ist. Ohne diesen
Rhythmus in der elektrischen Aktivität ist keine Feinmotorik möglich.

Der Tonus der Nackenmuskulatur teilt sich also der gesamten Körpermusku-
latur mit - und umgekehrt. Die tonischen Nackenreflexe des Säuglings lehren uns
dasselbe. Eine Tonusasymmetrie der kurzen tiefen Nackenmuskeln ist konstitu-
ierender Bestandteil der Schräglagedeformität der Säuglinge aber auch der
Schwindel und Kopfschmerzsymptomatik, der sensomotorischen Integrations-
störungen und der frühen Ermüdbarkeit nach Weichteildistorsion der HWS, die
nicht selten zu Arbeitsunfähigkeit führen.



Seite 206

Die biomechanische Rehabilitation nach Schleuderverletzung der HWS befin-
det sich immer zwischen Skylla und Charybdis. Wird zu weitgehend mobilisiert,
beispielsweise durch manualmedizinische Manipulation im Sinne der Klaffgriffe,
fördert man den durch das System vermiedenen Zustand der Instabilität. Die
Patienten unerfahrener Manualmediziner kennen diese leidvolle Erfahrung. Es
kann Wochen und Monate dauern, bis eine Schutzblockierung wieder aufgebaut wird.



Seite 220
Rechtsprechung zur Kausalitätsfrage bei HWS-Beschleunigungsverletzungen


Auf jeden Fall dann, wenn erwiesen ist, daß der Geschädigte vor dem Unfall die
danach aufgetretenen von der HWS ausgehenden Beschwerden noch nicht hatte
und die jetzt geklagten Beschwerden durch medizinische Befunde erhärtet sind,
besteht ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den

Seite 221

Beschwerden, wie der Bundesgerichtshof (BGH) bereits in einer Entscheidung aus
dem Jahr 1968 festgestellt hat [4]. Wenn ein gesundheitlich schon geschwächter
Mensch durch einen Unfall geschädigt wird, hat der Schädiger keinen Anspruch
darauf, so gestellt zu werden, als hätte er einen Gesunden geschädigt [13,18]. Oder
wie der BGH einmal formuliert hat:

"Der Schädiger trägt das Risiko dafür, daß das Unfallopfer nicht zu den Starken
dieser Welt gehörte."
[7]

Vorerkrankungen, Vorschädigungen usw. schließen also die Annahme der
Kausalität selbst dann nicht aus, wenn sie bei den Beschwerden mitgewirkt haben.

Die Annahme eines Unfalls als Ursache auch bei Vorschäden kann aber natür-
lich nicht grenzenlos gelten. Die Grenze wird von der Rechtsprechung wie folgt
gesetzt:

Das OLG München fügt in der auf Seite 220 zitierten Entscheidung einen sehr
wichtigen Satz hinzu:

Nur wenn feststünde, daß der Kläger in Folge einer (ggf.) schon vorhandenen Veranlagung zu
(ggf.) von der Halswirbelsäule ausgehenden Beschwerden unabhängig von dem Unfall zu einem
bestimmten Zeitpunkt ohnehin einen Erwerbsschaden erlitten hätte, wäre der Schaden in die-
sem Umfang nicht von den Beklagten zu ersetzen.

Dies hat das OLG München so wörtlich ausgeführt unter (wiederum wörtlicher)
Bezugnahme auf eine Entscheidung des BGH von 1969 [4].

Wichtig hierbei ist folgendes:

Die Tatsache, daß die heute geschilderten Beschwerden auch ohne den Unfall
aufgetreten wären, muß der Schädiger, d.h. also bei Verkehrsunfällen der
Haftpflichtversicherer, beweisen.

Daß auch unsere Gerichte (und nicht nur die instanzmäßig unten angesiedelten
Gerichte) mit diesem Problem ihre Schwierigkeiten haben, zeigt eine Entscheidung
des OLG Frankfurt vom 16.12.1992 [5,18]. In diesem Rechtsstreit war unstreitig, daß
der Kläger vor dem Unfall nicht unter Beschwerden der heute geklagten Art litt.
Ebenso unstreitig war, daß er heute unter erheblichen Beeinträchtigungen insbe-
sondere im Bereich der HWS leidet.

Unstreitig war auch, daß das Unfallgeschehen als solches geeignet war,
Verletzungen insbesondere im Bereich der HWS hervorzurufen. Das OLG
Frankfurt nun hatte die Fragen zu klären, ob die auch nach Ablauf eines gewissen
Zeitraums nach dem Unfall weiter bestehenden und sich nach der Darstellung des
Klägers im Laufe der Zeit immer weiter verstärkenden Beschwerden im Bereich
der HWS noch ihre Ursache in dem Unfallgeschehen haben. Das OLG hat diese
Frage verneint mit der Begründung, derart ausgeprägte Schädigungen im Bereich
der HWS seien, so die übereinstimmenden Angaben der Ärzte und Sachver-
ständigen, als Schleudertrauma I.-II. Grades einzuordnen, und deren Folgen seien
in aller Regel in einem Zeitraum bis längstens 1 Jahr abgeklungen.

Dem OLG Frankfurt wird zu empfehlen sein, sich über die rechtlichen
Anforderungen an den Begriff der Kausalität zu informieren.

Um mir nicht den Vorwurf einzuhandeln, ich würde als richtig nur Entschei-
dungen akzeptieren, die die Kausalität bejahen, solche, die die Kausalität vernei-
nen, jedoch als unrichtig darstellen, möchte ich hier auf eine Entscheidung des
Kammergerichts Berlin (so heißt das dortige Oberlandesgericht) vom 21.4.1994

p222

hinweisen [6]. Auch hier lag ein Heckaufprall zugrunde. Der Kläger hatte unbe-
stritten ein Schleudertrauma erlitten.


 

HWS

Verletzungen der Halswirbelsäule
http://www.ariplex.com/hws/hws_pic2.jpg


02.10.1999 : Renata Huonker-Jenny: Erfahrungen mit einem Schleudertrauma

             Betroffene berichten
14.09.1999 : Seit der Behandlung erst recht krank
24.02.2002 : 80 Ärzte...

24.02.2002 : Posttraumatische HWS
25.02.2002 : Ich erhielt eine gute Behandlung
25.02.2002 : "Meine Herren, wenn ihnen etwas an ihrer Kariere in diesem Hause liegt,...
25.02.2002 : Ich habe schon fast die Hoffnung aufgegeben
25.02.2002 : Spinale Enge
25.02.2002 : Verdacht auf Herzinfarkt
27.02.2002 : Sturz mit Verdrehung des Rückens
27.02.2002 : Schwindel und Sprechstörungen
05.01.2004 : Verkehrsunfall mit Folgen...

31.03.2002 : Empfohlene Literatur
02.10.1999 : Notizen
12.03.2004 : Links

             Quellenstudium
16.06.2002 : Riechsinn + Geschmackssinn 
19.02.2003 : Tremor (Zittern) 
26.05.2005   Starkes Druckgefühl in der Brust

             Warum verhalten sich Ärzte wie Vollidioten?
23.12.2002 : Warum verhalten sich Ärzte wie Vollidioten? 
16.06.2002 : Riechsinn + Geschmackssinn 
26.05.2005   Starkes Druckgefühl in der Brust


             Ich klage an
23.09.2004 : Schwerer Pfusch bei Knie-Behandlungen
18.10.2004 : Röntgen in Deutschland lege artis: Fälschen

             Vorsicht, hier geht es um viel Geld!
03.12.2003 : "Arthrose - Jahrelanges Schweigen endlich gebrochen!"


             Zur Diskussion
04.08.2002 : Kontrollierte, sanfte Extension mit Bleigürtel 

16.04.2005 : Farbiges Röntgen, farbiges CT und farbiges MRT 


             Mirror fremder Webseiten
17.06.2002 : 14.12.2000: Oberlandesgericht Nürnberg 
             (u.a. wegen Verlusts des Geruchssinns)  
             Urteil vom 14.12.2000, Az. 8 U 1072/00 

17.06.2002 : 21.03.2002: Universitätsklinikum Heidelberg 
             "Biozement richtet gebrochene Wirbel wieder auf" 

04.08.2002 : 02.07.2002: FDA APPROVES FIRST DEVICE TO UTILIZE GENETICALLY 
             ENGINEERED PROTEIN TO TREAT DEGENERATIVE DISC DISEASE

13.09.2002 : 13.09.2002: Private Universität Witten/Herdecke gGmbH 
             Mini-Ballons richten zusammengebrochene Wirbel auf

13.09.2002 : 13.09.2002: Westfälische Wilhelms-Universität Münster 
             Wenn der Nerv gedrückt wird

20.09.2002 : 20.09.2002: Universitätsklinikum Heidelberg
             Lokalanästhetika - mehr als nur Schmerzmittel?

24.09.2002 : 24.09.2002: Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft
             Kopfschmerz nach Schleudertrauma: schwächere Schmerzhemmung nachweisbar

24.09.2002 : 24.09.2002: Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft
           : Neue Therapie-Empfehlungen bei Gesichtsschmerzen

25.09.2002 : 25.09.2002: Fraunhofer-Gesellschaft / IPA
           : Resorbierbares Implantat fördert  soliden Knochen- und Knorpelaufbau

21.11.2002 : 21.11.2002: Universität Ulm
           : Das Schleudertrauma objektiv nachweisen

21.11.2002 : 21.11.2002: Bertelsmann Stiftung
           : Volkskrankheit Kopfschmerzen: Bedeutung der Halswirbelsäule


             Grundlagenforschung / Stand der Technik
19.07.2004 : Schleudertrauma zuverlässig diagnostizieren
             (06.12.2002)                               

23.01.2004 : Study finds common knee surgery no better than placebo
             Baylor College of Medicine                            
             (10.07.2002)                                          
03.12.2003 : Völlig neue MR-Aufnahmetechnik macht
             Ganzkörperbild in einem Schritt     
             (24.11.2003)                        
23.01.2004 : Würzburger Forscher machen Arteriosklerose sichtbar
             (23.01.2004)                                       
25.02.2004 : Knorpelwachstum sehen und verstehen
             (20.02.2004)                       
19.07.2004 : Diagnosehelm hilft heilen
             (08.06.2004)             
27.10.2004 : Die Menisken erhalten              
             Meniskusrisse und ihre Refixierung 
             (25.10.2004)                       
17.12.2004 : Gefährlicher Prothesenabrieb 
             (17.12.2004)                 
14.03.2005 : Hält Knorpel aus der Zellkultur, was er verspricht?
             (14.03.2005)                                       

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vergessen
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Zittern
Zittern auf der Haut 
Zittern der Hand beider Hände
Zittern eines oder beider Knie 
Zittern eines Augenlids 
Zittern "hinter" dem Auge
Zittern im Gesicht
Zittern im Auge

ergänzt, 1.1.2000: 
Beschwerden aus HWS-Trauma:
  Stimmbandlähmung 
  Horner-Syndrom 
  Schwerhörigkeit 
  Bluthochdruck ("Sturmspitzen"), 
  Struma II (Schilddrüse) Instabilität und Fehlstatik der
    Wirbelsäule
  Symptome wie bei Störungen des Immunsystemes - wie MS, Lupus und dergleichen
    = entsprechend ärztlicher Bescheinigungen) natürlich nicht
      auf HWS-Trauma bezogen sondern anlagebedingt oder erworben.

Zur Vorsicht sei hingewiesen auf folgende Web-Sites:

http://www.ariplex.com/ama/ama_p0.htm

http://www.ariplex.com/lyme/lyme_top.htm

wo andere Erkrankungen beschrieben sind, deren Symptome denen einer Halswirbelsäulenverletzung ähneln, zum Teil sogar gleich sind, oder sogar schwere Schäden an der Wirbelsäule hervorrufen können!

Ich rate dringend, diese Texte ebenfalls zu lesen!


 



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